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19.11.2015 - Fossile Brennstoffe auf dem Abstellgleis?

WJ Aschaffenburg zu Besuch beim Kraftwerk Staudinger

„Bereits heute werden über 50% des deutschen Strombedarfs aus regenerativen Energien gewonnen – Tendenz steigend.“ So beginnt der Vortrag von Edgar Kaufhold vor 23 WJlern im Besucherzentrum des Kraftwerks Staudinger. Für ein Kraftwerk, welches hauptsächlich mit Steinkohle betrieben wird, ist das definitiv keine rosige Zukunftsprognose. Dabei war der Standort des zur E.ON gehörenden Stromproduzenten vor nicht all zu langer Zeit in konkrete Expansionsplanungen eingebunden – sogar die Baugenehmigung für einen 6. Block lag vor, wurde allerdings aus wirtschaftlichen Gründen nie realisiert. Heute, drei Jahre später, geht es nur noch um die Sicherstellung der Grundlast (Block 5) bzw. das situative Zuschalten zum Ausgleich von Spitzenlasten (Block 4). Von den 5 existierenden Blöcken, sind nur noch diese zwei am Netz. Das zeigt, wie schnell sich das Stromgeschäft in so kurzer Zeit verändert hat. Vor allem der starke Preisverfall und der stark reglementierte Strommarkt haben dafür gesorgt, dass viele herkömmlich betriebene Kraftwerke nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Die regenerativen Energien sind klar auf dem Vormarsch und erreichten erst kürzlich, wenn auch nur kurzzeitig, einen Rekordwert von 78% des in benötigten Stroms in Deutschland. Staudinger wird trotzdem noch eine ganze Weile am Netz bleiben, denn regenerative Energien unterliegen naturbedingten Schwankungen, die es untertägig auszugleichen gilt.
Bei der Führung über das Gelände wird sehr schnell deutlich, in welchen Dimensionen dieses Kraftwerk einst geplant und betrieben wurde. Hier steht unter anderem der höchste Schornstein Hessens mit 250m Höhe, direkt daneben der Kühlturm von Block 5 mit 141m. Klein, gibt es hier nicht. Alles ist sehr groß und wirkt überdimensioniert. Aber der Anschein trügt. Block 5 leistet alleine bereits bis zu 510 Megawatt und auch wenn ein Großteil des Kraftwerks bereits stillgelegt wurde, sind die Lager mit einem Steinkohlevorrat ca. 30.000 Tonnen gigantisch. Unter Volllast genehmigt sich dieser Block immerhin stolze 19 Tonnen – pro Stunde wohlgemerkt.
Bei der Führung lernen wir auch ein paar der Mitarbeiter kennen. Deren Herausforderung besteht vor allem darin, den weiteren Betrieb sicherzustellen und dafür zu sorgen, dass die Blöcke sicher gefahren werden können. Im Leitstand wird deutlich, wie viel Aufwand in die Sicherheit und Erfüllung der Umweltauflagen gesteckt wird. Dank Prozessoptimierungen, hohen Standards in der Arbeitssicherheit und vielen anderen Maßnahmen, kann Block 5 heute mit nur 8 Mitarbeitern/Schicht (im Betrieb) gefahren werden. Der Leitstand ist riesig und besteht aus einem großen Halbkreis an Monitoren und Systemen, die sowohl die Kessel, als auch die Emissionen überwachen. Und wer hier noch nicht beeindruckt war, der war es dann spätestens als wir zu guter Letzt neben den beiden Blöcken im Herzen des Kraftwerks standen. Wie gesagt, klein gibt es hier nicht.

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Kontakt: Michael Schneppensiefer
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